Lesemonat Januar 2018

Folgende Bücher habe ich im Januar 2018 zu Ende gelesen:

 

Das Tagebuch der Anne Frank: Graphic Diary

Anne Frank Graphische Novelle 5_Sterne
Das Tagebuch der Anne Frank: Graphic Diary ist eine grafische Novelle, die von Ari Folman und David Polansky nach den Originaltagebuch von Anne Frank und mit der Zustimmung des Anne Frank Fonds (AFF) umgesetzt wurde. Das Buch erschien 2017 im S. Fischer Verlag.

Das graphische Tagebuch erzählt die Geschehnisse, Ereignisse und Gedanken, die Anne Frank in ihr Tagebuch „Kitty“ ab den 12.06.1942 bis zum letzten Eintrag von Anne am 01.08.1944 geschrieben hat.

Das Schicksal aller Beteiligten, die im Hinterhaus – dem Versteck der Franks in Amsterdam vor den Nazis – gewohnt oder geholfen haben, wird dem Leser am Ende des Buches mitgeteilt.

Die Zeichnungen haben mir außerordentlich gut gefallen. Alle Personen auf den Originalfotos kann man den Zeichnungen zuordnen. Ihre besondere Charakteristik, die durch Annes Gedanken und Empfindungen eingefangen wurden, ist im Verhalten und Gesten wiedergespiegelt worden. Es wird sehr deutlich, dass der Leser alles durch die Augen von Anne sieht.

In ihrem kurzen Leben haben Anne sehr viele Themen beschäftigt, so z.B. der Konflikt mit ihrer Mutter, die Liebe zu ihrem Vater, Geschwisterkonflikte, die Ehe, die Liebe, die Freundschaft, Frauen und Männer, die Angst vor den Nazis, Depressionen und Hunger, wer sie ist, wer sie sein will …

Ich kenne das Originaltagebuch der Anne Frank nicht, als ich dieses Buches las und war überrascht von ihren Gedanken, die sie so ehrlich und eindrücklich ihr Tagebuch „Kitty“, ihrer besten Freundin, anvertraute. Dabei beschreibt sie die Gefühlswelt eines Teenagers in Worten wie es nur große Schriftsteller können. So hat man am Ende den bitteren Beigeschmack von „Was hat man der Welt genommen?“, „Wäre Anne eine große Schriftstellerin geworden?“. Fragen, die für immer unbeantwortet bleiben werden.

Hier wird Geschichte wiedergegeben, die niemals vergessen werden sollte.

(gedrucktes Buch) Amazon.de: ISBN-13: 978-3103972535

Qualityland

Qualityland, Marc-Uwe Kling 4_Sterne

Ich habe Qualityland als Hörbuch (Dunkle Edition) gehört, welches von dem Autor Marc-Uwe Kling selbst ungekürzt vertont wurde. Qualityland ist eine satirisch erzählte Dystopie, die in fast jedem Satz Tiefgang hat.

Grandios erzählt mit vielen intelligenten und kuriosen Ideen, die unserer Welt doch verblüffend und erschreckend nahe kommen. Ein Muss für Nerds aber auch für Menschen, die sich für ihre Umwelt und die Entwicklung der Gesellschaft in einer mehr und mehr digitalisierten Welt interessieren.

Amazon.de: Hörbuch

Die Nachtigall

Die Nachtigall, Kristin Hannah 5_Sterne

Die Nachtigall von Kristin Hannah, 2017 im Aufbau Verlag erschienen, erzählt die Geschichte mutiger Frauen im zweiten Weltkrieg.

Wir begleiten Isabelle und Vianne Rossignol, zwei  ungleiche Schwestern, die früh ihre Mutter verloren und sich einander entfremdet haben.

Aber dann wird Frankreich besetzt und die Welt verändert sich. Während Vianne darauf bedacht ist, ihre Tochter Sophie zu schützen und darauf hofft, das ihr Ehemann Antoine unversehrt aus dem Krieg zurück nach Hause kommt, will Isabelle gegen die Besetzung etwas tun. Sie schließt sich der Résistance an und wird zur „Nachtigall“ (ihr Nachname Rossignol heißt Nachtigall), die abgeschossene Piloten der Alliierten über die Pyrenäen nach Spanien schmuggelt. Gleichzeitig findet sie ihre erste große Liebe in dem Résistance-Kämpfer und Maquisard Gaëton.

Vianne kämpft unterdessen den Kampf, den viele Frauen in den Zeiten des Kriegen ausgefochten haben: Anstehen, um Lebensmittel zu erhalten, Überleben in Kälte und Hunger, Zurechtkommen mit der Situation, dass ein SS-Offizier sich in ihrem zu Hause einquartiert hat. Als dann aber die Deportation der Juden . unter anderem ihre beste Freundin Rachel – beginnt, erkennt sie, dass sie nicht nur ihre Tochter, sondern auch die Art und Weise wie man leben will, schützen muss. So beginnt sie, jüdische Kinder zu verstecken.

Die Autorin versteht es, dem Leser Charaktere näher zu bringen. Ich hatte ein sehr lebendiges Bild von allen Figuren, insbesondere zu Vianne und Isabelle baut man ein vertrautes Verhältnis auf. So war das Ende auch sehr emotional.

Sehr gut, fand ich auch den Spannungsbogen. Das Buch beginnt damit, dass wir 1995 einer alten kranken Frau begegnen, die sich zunächst lückenhaft zurückerinnert. Die Geschichte selbst zur Zeiten des 2. Weltkrieges wird aber durch einen objektiven Erzähler erzählt. So erfahren wir erst am Ende, wer die alte Frau 1995 ist.

Ich wusste nicht viel über das besetzte Frankreich oder über Fluchtrouten nach Spanien. So ist dies Buch auch ein Geschichtsbuch für mich gewesen.

Die Nachtigall ist ein sehr berührendes Buch über die mutigen Frauen im zweiten Weltkrieg während der Vichy-Zeit.

(gedrucktes Buch) Amazon.de: 978-3746633671

Die Farbe von Milch

Die Farbe von Milch, Nell Leyson 4_Sterne

Die Geschichte „Die Farbe von Milch“, geschrieben von Nell Leyshon, ist 2017 im Eisele Verlag erschienen.

Die Geschichte wird aus der Sicht des sechzehnjährigen Bauernmädchens Mary im Jahre 1831 erzählt und ist unaufgeregt, aber in einem einfachen flüssigen Stil geschrieben. Das Buch ist in Jahreszeiten eingeteilt, beginnt mit dem Frühling und endet auch wieder dort. Mary erinnert sich an das letzte Jahr, was für sie ein sehr schicksalhaftes Jahr war.

Die Autorin beschreibt eindrücklich, da es aus der Sicht von Mary geschrieben ist, was das Mädchen in den Momenten der zunächst zaghaften sexuellen Übergriffe, fühlt und denkt. Und sie beschreibt auch in welcher Abhängigkeit das Mädchen steht und am Ende alles einfach „über sich ergehen lässt“. Mary hat im Grunde keine Möglichkeit dem zu entfliehen. Als sie es dennoch versucht, kommt es zur Katastrophe und besiegelt ihr Schicksal.

Marys pragmatisch kluge und positive Haltung im Leben hat das Buch trotz der schrecklichen Ereignisse für mich lesbar gemacht und selbst am Ende hatte ich das Gefühl einer positiven Grundstimmung, die von Mary ausstrahlt, obwohl sie den Tod vor Augen hat.

Amazon.de: Kindle-Version

Roman eines Schicksallosen

Roman eines Schicksllosen, Imre Kertész 4_Sterne

Ein sehr schweres Thema und der sehr eigene Stil des Autors machen dieses Buch für mich zu einem „schweren“ Buch, bei dem ich nicht richtig weiß, was ich davon halten soll. Ich kann nicht sagen, dass ich es schlecht fand. Ich wollte es auf jeden Fall zu Ende „hören“.

Allerdings hatte ich Schwierigkeiten zu folgen, Schwierigkeiten die Gedanken des Jungen nach zu „empfinden“. Vielleicht kann ich mich mit einem 15-jährigen Jungen nicht so gut identifizieren. Mädchen sind einfach emotionaler, ein Auf und Ab von zu Tode betrübt bis enthusiastisch, wie z.B. bei Anne Frank. Das fehlte mir bei diesem Buch.

Was ich faszinierend fand, war, wie der 15-jährige die deutschen Soldaten betrachtet, als er aus dem Zug stieg und im KZ Ausschwitz ankam. Sie sahen beispielsweise selbstbewusst und sehr adrett in ihren Uniformen aus. Da wunderte er sich auch noch was die Menschen auf der anderen Seite wohl verbrochen haben. Die kindliche Sichtweise war sehr einprägsam. Letztlich kam er dann nach Buchenwald und in das Außenlager Zeitz, wo es wie er sagte ein halbes Brot kam und nicht wie in Ausschwitz höchstens ein Viertel Brot.

Dadurch das der Junge die Dinge schlichtweg beschrieb, kamen die Gräueltaten bei mir nicht auf einer Gefühlsebene an. Ich verstehe, das der Alltag im KZ Alltag wurde, auch für die Häftlinge und dass man dieses Schicksal eher annehmen sollte als damit hadern, sozusagen neumodern „positiv denken“. Genau das tat der Protagonist unserer Geschichte und hat wahrscheinlich aufgrund dieser Tatsache, dieser emotionalen Gleichgültigkeit, überlebt.

Der Sprecher hat mir sehr gut gefallen, da er eine sehr junge Stimme hat und ich auch dachte, dass ein 15-jähriger erzählt. Als der Autor selbst sprach, war man gleich im Bann zum einen durch die eigentümliche Aussprache des Autors und zum anderen die dadurch sich verstärkende Authentizität, dass hier jemand erzählt, was er erlebt und gedacht hat.

Ich denke, das Buch muss man noch einmal lesen um es gänzlich zu begreifen.

Amazon.de: Hörbuch

Scythe – Hüter des Todes, Band 1

Scythe Die Hüter des Todes, Neal shusterman, Band 1 3_Sterne

Scythe – Die Hüter des Todes ist der erste Band der Scythe-Reihe von Neil Shusterman.

Es handelt sich um eine Jugenddystopie und das ist auch das größte was mich tatsächlich störte. Die Idee, das es eine Welt gibt, in der alle Menschen unsterblich sind, ist faszinierend, jedoch wird diese Welt kaum beschrieben. Im Grunde verfolgen wir, die Leser, zwei Jugendliche, die das „nachlesen“ (töten) lernen und zum Scythe ausgebildet werden und ja, wie sollte es anders sein, sich ineinander verlieben. Dabei wird vergessen, dass es auch noch andere Menschen und Leben in dieser Welt geben sollte. Viele Figuren tauchen auf, sind aber kaum ausgearbeitet. Ich habe den Gegenpart des Scythetums vermisst, also der normale, arbeitende Mensch und dessen Gedanken und Leben in einer Welt der Unsterblichkeit.

Was ich gut fand, waren die Beschreibungen der inneren Konflikte, sowohl der Jugendlichen, als auch der Scythe. Die Idee, dass die Scythe verpflichtet sind, Tagebuch zu schreiben, gibt dem Leser einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt bzw. mehr in die Richtung auf welche Seite sich ein Scythe positioniert, denn die Tagebücher sind öffentlich. So wird schnell klar, das im Scythetum viele politische Intrigen herrschen.

Auch die Religion der Tonisten (Tonkulte), die die Stimmgabel anbeten und gegen das Scythetum sind, fand ich toll. Aber auch hier fehlte mir die Figur, die dem Leser einen intimen Einblick in die Welt der Tonisten gibt. Die Figur also, die zum Leser die emotionale Bindung herstellt. So hat sich bei mir keine Reaktion gezeigt, als die Tonisten in ihrem Tempel „nachgelesen“ bzw. „abgeschlachtet“ worden sind und anschließend alles, einschließlich dem umstrittenen und mordlustigen Scythe Goddard und seine Schüler, niedergebrannt wurde.

Amazon.de: Kindle-Version

Veröffentlicht von

querlesen

Langsam- und Genussleserin

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