Lesemonat Februar 2018

Im Februar habe ich ein Buch gelesen. Eins ist mehr als Keins. Richtig?

104

Rezension

4_Sterne

Der Roman „Schlachthof 5: oder Der Kinderkreuzzug“ von Kurt Vonnegut jr. erschien 2016 im HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH in der neuen Übersetzung von Gregor Hens. Ich habe die Kindle-Version gelesen.

Der Autor ist als amerikanischer Soldat im 2. Weltkrieg in Deutschland in Gefangenschaft geraten und überlebt im Keller eines Schlachthofes die Bombardierung Dresdens. In diesem Buch verarbeitet er teils die eigenen Erlebnisse und beschreibt die Sinnlosigkeit und Hilflosigkeit der Menschen im Krieg. Viele sterben. Wie das so ist.

„Wie das so ist“ (Original: how it goes) ist der sich wiederholende Satz in diesem Roman und dieser Satz spiegelt die Machtlosigkeit der Menschen, die dem Leben und Tod ausgesetzt sind, wieder. Es geschieht was geschieht. Wie das so ist.

Wir folgen Billy Pilgrim durch sein Leben, wobei dieses nicht linear erzählt wird, denn Billy kann durch die Zeit reisen. Oder ist Billy verrückt, geisteskrank, flüchtet in Zeitreisen und wird auf fremde Planeten entführt, um den nicht zu begreifenden Geschehnissen zu entgehen? Ist das der einzige Weg, den Schrecken des Lebens und des Sterbens zu begegnen, sich in Fantasien zu flüchten? Auf dem Planeten Tralfamador wird ihm erzählt, dass Menschen nie wirklich sterben. Sucht unser Autor Trost? Andererseits erfährt Billy auch, dass das Universum am Ende zerstört und alles Leben vernichtet wird. So scheint Billy zwischen der Suche nach Trost und Akzeptanz ständig hin und her zu springen. Und geweint wird nicht.

Die Kühe, sie muhen, sie wecken den Kleinen.
Doch unser Herr Jesus, der wird schon nicht weinen.

In Zeitreisen wird gezeigt, wie ein Leben in verschiedenen Zeiten unterschiedlicher nicht sein kann, in dem einem Moment am Abgrund und im nächsten folgt der wunderbarste Augenblick. Das eine brennt sich in das Gedächtnis, obwohl man sich nur das andere merken möchte.

Eine wirre Geschichte, die zwar auch beschreibt, wie die Kriegsgefangenschaft im 2. Weltkrieg war, aber teils durch die Zeitreisen ins Skurrile und Unglaubwürdige driftet, wobei mich dies und die Science Fiction Elemente (Außerirdische, Zeitreisen) nicht gestört haben. Jedoch taucht der als Antikriegsroman hochgelobte Roman zu sehr in eine Slapstickreise des Billy Pilgrim ab. Es ist witzig zu lesen, wie Billy Pilgrim von einem Ereignis ins nächste stolpert und dabei irgendwie immer verloren scheint, ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Aber das diese Verlorenheit und Verwirrtheit durch die Kriegsgeschehnisse hervorgerufen hervorgerufen ist, ist für mich kaum erkennbar. Die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt so sehr, dass der Krieg selbst hier für mich zur Fiktion wird.

Auch haben mir manche klischeebehafteten Phrasen des Autors nicht zugesagt, auch wenn es eine überspitzte humoristische Art darstellen sollte: kartoffelessende Deutsche, ordnungsliebende Engländer, unbeholfene Amerikaner? Ja gut, ist zu verschmerzen.

Man merkt dem Roman die Zeit in der er geschrieben wurde (1969 veröffentlicht) an. So scheint der Autor Hören und Sagen in der Geschichte zu verwenden, was heute durch die Ermittlung von Historikern als vermutlich nicht wahr gilt, zum Beispiel die Anzahl der Todesopfer in Dresden oder das Kerzen und Seife aus dem Körperfett ermordeter Juden bestanden.

Fazit

Die Geschichte bedient sich vieler Genre, Science Fiction, Satire und schwarzer Humor und historischer sowie biographische Ereignisse und „verrührt“ alles miteinander, das die Übergänge ineinander überfließen. Wer unkonventionelle nicht-lineare Geschichten mit Untertassen, Zeitreisen, eingebettet in einer subjektiven Wahrnehmung historischer Ereignisse, mag, ist hier richtig.

Schlachthof 5
Kurt Vonnegut jr., Übersetzung von Gregor Hens
HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH, 2016
240 Seiten
Kindle-Version

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Veröffentlicht von

querlesen

Langsam- und Genussleserin

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