Lesemonat März 2018

Drei Bücher, darunter eine grafische Novelle, eine Science-Fiction Novelle und ein Endzeitroman, haben es im März geschafft, Teil meiner Welt zu werden.

Ödland: Die  Fabrik am Fluss, Bd. 3

106 3_Sterne

Die ‚Fabrik am Fluss‘ ist der dritte Band der ‚Ödland‘-Reihe‘, in der wir Mega, einer geheimnisvollen, jungen Frau von 17 Jahren auf ihrer Mission durch das Ödland, begleiten.

Achtung Spoiler … wer nicht gespoilert werden möchte, sollte zu der Teilüberschrift ‚Meine Meinung‘ scrollen.

Rückblick Band 1 (Der Keller) und 2 (Das Versteck im Moor)

Nachdem wir im ersten Band über Megas Zusammenleben mit Wissenschaftlern, die sich in einem Keller, unter einer Bibliothek, nach dem Ende der Welt zurückgezogen hatten, erfahren haben und Mega letztlich mit dem selbstgebauten INDU ins Ödland aufbrach, um die Mission ‚gen Osten einen Wasserfilter zu finden‘ zu erfüllen, fanden wir Mega im zweiten Band auf der Flucht vor Soldatenkindern wieder. Dort erhielt sie unerwartete Hilfe von Nathan, einem Einzelgänger, der sein entstelltes Gesicht hinter Tüchern verbirgt. Es kommt zu einem fatalen Zusammentreffen der Söldnertruppe mit dem Anführer Hagen und den Moorbewohnern in ihrem Versteck.

Der dritte Band

Im dritten Band findet sich Mega in einem Salzstollen wieder. Durch die Bewohner gerade noch rechtzeitig von den Wölfen gerettet, erholt sie sich von den schweren Verletzungen. Mark, mit dem sie im Keller unter der Bibliothek groß geworden ist und der kurz vor ihr die Rettungsmission begann, ist einer der Bewohner des Salzstocks. Mega und Mark finden wieder zueinander. Die Söldnertruppe um Hagen verfolgte indes Megas Spuren bis zur Fabrik und beschließt diese anzugreifen. So kommt es, dass Mega am Ende einen Pakt mit Hagen schließt und mit ihm und seiner Söldnertruppe durch das Ödland Richtung Osten nach Viktoriastadt zieht. Hagen weiß mehr von Megas Vergangenheit als sie selbst und Mega stammt laut Hagens Aussage aus Viktoriastadt, einer geheimnisvolle Enklave, von der eigentlich niemand etwas weiß.

Meine Meinung

Die Geschichte ist teils spannend erzählt, jedoch hat der dritte Band für mich starke Überlänge. Oftmals habe ich an einigen Stellen das Ziel vor den Augen verloren, insbesondere wenn Kampfszenen zu lang ausgearbeitet waren oder auch wenn von den Protagonisten die innere Einstellung zu bestimmten Ereignissen und Vorgängen wieder und wieder erzählt wurden. So werden die Gedanken der Protagonisten wiedergegeben wie im wahren Leben. Wenn Konflikte vorhanden sind, kreisen die Gedanken der Charaktere darum, immer und immer wieder wird das Gleiche „überlegt“.

Ich fand die Geschichte um Mega im ersten Band sehr einladend. Auch die Figur Hagen, ein eiskalter Anführer mit Geheimnissen machte mich neugierig auf mehr. Schon den zweiten Band fand ich schwächer als den ersten, wobei mich die Ideen und die Welt des Ödlands bei Laune gehalten haben. Im dritten Band treffen wir auf weitere Arten, wie Menschen nach einer Katastrophe miteinander leben und umgehen. Aber auch diesen Band finde ich schwächer als den ersten Band. So gibt es sehr gut geschriebene Passagen, aber eben auch Strecken, bei denen ich mich mit dem Lesen „durchquälen“ musste.

Fazit: Wer Endzeitromane á la Mad Max mag, der ist hier richtig.

Ödland: Die Fabrik am Fluss, Bd. 3
Christoph Zachariae
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2015
458 Seiten
Kindle-Version

Spiegel

109 4_Sterne

Die Novelle „Spiegel“ von Cixin Liu wurde 2004 auf Chinesisch veröffentlicht und 2017 im Heyne Verlag, übersetzt von Marc Hermann, herausgegeben.

Die Heyne-Ausgabe enthält neben der Novelle „Spiegel“ auch einen umfangreichen Anhang mit einem Kommentar von Sebastian Pirling. Darüber hinaus enthält der Anhang Leseproben zu Band 1 (Die drei Sonnen) und Band 2 (Der dunkle Wald) der Trisolaris-Trilogie.

In der Geschichte lernen wir fünf Personen kennen. Diese Figuren spiegeln jede für sich einen Teil der chinesischen Gesellschaft, wie es Sebastian Pirling auch im Anhang beschreibt, wieder. Und diese Figuren werden in eine futuristische, utopische Möglichkeit hineingezogen. Was, wenn alles was wir tun, nicht verborgen bleibt? Gibt es dann keine Verbrechen mehr? Verändert sich das menschliche Verhalten? Ist es möglich, das Universum, das Leben auf der Erde zu simulieren, so dass wir vorhersagen können, was geschieht? Ist alles was wir tun vorherbestimmt? Ist eine Simulation real? Hat die Menschheit das Universum erschaffen? Fragen, die dieses Buch anschneidet und teils fiktive Antworten durch die Geschichte bereitstellt.

Die doch recht kurze Novelle umfasst sehr vielen Themen – Allwissenheit und Vorhersagbarkeit der Zukunft, Macht, Korruption und Verbrechen, gesellschaftliche und psychologische Einflüsse, Entstehung des Universums, physikalische Theorien und daraus resultierende technische Möglichkeiten wie Superstringcomputer, nur um einige zu nennen – die der Autor in seiner Geschichte so gekonnt miteinander verwebt, das der Leser die Wucht der doch recht komplexen Themen als leicht verdaulich empfindet.

Besonders interessant und beeindruckend für mich, waren die chinesischen Denk- und Handlungsweisen der Charaktere in Kombination mit der Science Fiction Idee, welche in aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie Superstringtheorie und Quantenmechanik, eingebettet ist.

Kleines Manko, wie leider sehr oft in Science Fiction, war das Fehlen weiblicher Charaktere.

Fazit: Ein Muss für jeden SciFi-Fan und Leser_innen, die gerne über die Geheimnisse und Möglichkeiten des Daseins nachdenken. Ein sehr schönes, intelligentes und gut geschriebenes Gedankenspiel mit Einblick in das China von gestern, heute und morgen.

Spiegel
Cixin Liu
HEYNE Verlag, 2017
192 Seiten
Kindle-Version

Der Sommer ihres Lebens

111 5_Sterne

Die grafische Novelle „Der Sommer ihres Lebens“ wurde durch Reprodukt 2017 in stark überarbeiteter Form des Webcomics von 2015, welches damals für das literarische Onlinemagazin HUNDERTVIERZEHN gestaltet wurde, herausgegeben.

Gerda lebt im Seniorenheim und ist im Herbst ihres Lebens angelangt. Sie erinnert sich an Szenen ihrer Kindheit, Jugendzeit, an ihre Träume und auch an Entscheidungen, die ihr Leben stark beeinflusst haben.

Die Gedanken von Gerda schweifen dabei von der aktuellen Situation im Altenheim zurück an bestimmte Lebenspunkte und immer wieder (sogar innerhalb von wenigen Sätzen) hin und her. Ich fand diese Gedankensprünge sehr gut gestaltet. Zwar ist das Lesen dadurch schwieriger, aber es spiegelt sehr gut die vielen sprunghaften Gedanken von Gerda wieder. Auch, dass wir zum Beispiel im Seniorenheim nur halbe Sätze der Schwestern und Pfleger mitbekommen zeigt die im Alter doch bruchstückhafte Wahrnehmung – vielleicht, weil Senioren gerade in Momenten der Vergangenheit verweilen.

Von doch recht alltäglichen Situation, wie das Waschen bzw. Gewaschen werden im Altenheim, erstreckt sich dieses Buch über Erinnerungen und Vergangenheitsbewältigung bis hin zu philosophischen und wissenschaftlichen Fragen und Aussagen und zeigt uns wie klein wir im Gegensatz zum Universum und den Sternen sind und doch wie groß ein Moment im Leben sein kann. Der Spagat ein Leben in Zeichnungen wiederzugeben und dabei tiefgründig und gleichzeitig realitätsnah zu bleiben, ist hier, meiner Meinung nach, absolut gelungen.

Ich fand die grafische Novelle hervorragend ausgearbeitet, sowohl in graphischer Gestaltung durch die farbigen und teils verwaschenen, aber dennoch detaillierten Aquarelle als auch durch die wenigen, aber durchdachten Textbausteine und den daraus resultierenden Lesefluss.

Die Autoren haben es geschafft mir einen kleinen Einblick in das Leben im Seniorenheim zu geben, ohne Wertung, sondern einfach durch Szenen, die eben wirklich so sind und was es heißt alt zu sein und was es heißt zurückzublicken.

Ich fand die Geschichte sehr schön (leider zu kurz). Besonders das Ende war sehr emotional.

Der Sommer ihres Lebens
Thomas von Steinaecker, Barbara Yelin
Reprodukt, 2017
80 Seiten
Hardcover

 

 

Werbeanzeigen

Veröffentlicht von

querlesen

Langsam- und Genussleserin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s