Lesemonat September 2018

Im August war ich mit David Small, Sephy Hadley, Käpt’n Blaubär und Robert Hunter unterwegs – das machte 4 Bücher.

Stiche

137 5_Sterne

David Small hat mit „Stiche“, erschienen 2013 im Carlsen Verlag, einen autobiographischen Comic erschaffen, in welchem er uns die subjektive Sicht seiner Kinder- und Jugendzeit der 1950er Jahre in Detroit erzählt.

Und die war alles andere als schön.

Obwohl in einen nicht armen Haushalt hinein geboren – der Vater ist Radiologe -, sucht David in dieser Familie vergebens nach Liebe, Offenheit, Gespräche und Verständnis. Seine Mutter ist ihm gegenüber kaltherzig, sein Vater nicht präsent. Gespräche in der Familie gibt es nicht. Ein schweigsames Familienleben in dem jeder „in seinem eigenen Panzer“ lebt, wie David selbst es ausdrückt. Und das Schweigen wurde für David im Alter von 14 Jahren nach einem operativen Eingriff zur ungewollten Gewohnheit.

Ich habe diesen Comic innerhalb kürzester Zeit gelesen. Hier stimmte einfach alles. Die Bilder, die Worte, die Gefühle. Schon die Eingangsszene ist hervorragend. Mit einer Kamerafahrt aus der Vogelperspektive nähern wir uns Davids Haus in Detroit. Der Autor lädt uns regelrecht ein (ohne viele Worte zu verschwenden), um seine Erinnerungen mit uns zu teilen. Das Comic wird spannend erzählt, immer aus Davids Sicht bzw. Erinnerung. Die Geschichte ist traurig, ja unfassbar eigentlich. Es ist eine Geschichte über das Schweigen, über die Grenzen, die zwischen Erwachsenen und Kindern gezogen wurden. Kinder sollten gehorchen und nicht Widerworte geben. Mit diesem Comic bricht der Autor jegliches Schweigen und schreit es in die Welt hinaus: „So sollte es nicht sein!“

Die schwarz-weiß Illustrationen sind treffsicher zur düsteren, einsamen Stimmung eines Kindes in einem gefühlskalten Familienleben dargestellt.

Stiche

Ungeachtet der trüben Stimmung im Buch, schloss ich das Buch mit dem guten Gefühl, David hat es geschafft, er ist trotz der Schicksalsschläge und der widrigen Umstände seiner Kindheit seinen eigenen und erfolgreichen Weg gegangen.

Stiche
Autorin: David Small
Carlsen Verlag, 2014, 1. Auflage
336 Seiten
Grafische Novelle (Amazon.de)

Asche und Glut, Band 2

Asche und Glut, Malorie Blackman 5_Sterne

Asche und Glut ist der zweite Band der Reihe „Nought und Crosses“, welcher 2009 im Boje Verlag erschien und in einer Welt, die in Alphas (privilegierte dunkelhäutige Menschen) und Zeros (benachteiligte hellhäutige Menschen) geteilt ist, spielt.

—- Achtung, Spoiler Band 1 —-

Der zweite Band schließt einige Monate nach dem Todesurteil an dem Zero Callum an. Sephy, eine Alpha, bekommt ihre und Callums Tochter Callie Rose, ein sogenanntes Mischlingskind, und sie versucht ihr Leben, unabhängig von ihrem reichen Elternhaus zu bestreiten. Callums älterer Bruder Jonathan ist von Hass zerfressen, gegenüber Alphas und vor allem gegenüber Sephy. Er gibt ihr die Schuld an Callums Tod.

—- Ende Spoiler —-

In diesem Band begleiten wir perspektivsch:

  • Minerva Hadley (Schwester von Sephy)
  • Sephy Hadley
  • Jasmin Hadley (Mutter von Minerva und Sephy)
  • Jonathan McGregor (Bruder von Callum)
  • Meggie McGregor (Mutter von Jonathan und Callum)

Malorie Blackman dringt tiefgründig in die Gedanken ihrer Protagonisten ein. Und obwohl sie alle sehr unterschiedlich sind und Welten und Mauern zwischen ihnen liegen, schafft es Malorie Blackman, die Charaktere – Alphas und Zeros – authentisch zu vermitteln, ob es nun die schuldgeplagte Gedankenwelt eines Mörders ist oder die Welt voller Ängste und Sorgen einer Mutter, egal ob Alpha oder Zero. Mir gefielen die Perspektivwechsel und die auf den Punkt gebrachten Sorgen und Nöte der Charaktere. Sehr eindringlich wurde die ungerechte Welt, die Privilegien der einen Gruppe und die Benachteiligungen der anderen Gruppe dargestellt.

In allen Nöten und Ängsten spiegelt sich die ungerechte Behandlung und die Stigmata der Aufteilung der Menschen in reiche und bevorzugte und in benachteiligte Menschen wieder und dies nur aus einem Grund: der Hautfarbe. Es wird ohne Umschweife deutlich wie den Zeros die Chancen verwehrt bleiben. Aber auch die Alphas sind in ihrer privilegierten Welt eingeschränkt, auf eine andere Art, aber sie gehen, bestimmt durch die Gesellschaftsnorm z.B. nicht in Viertel der Zeros.

Aber Malorie Blackman gibt den Leser_innen auch Hoffnung, denn es scheint, dass manchmal ein kleiner Funke diese aufgeteilte Welt aushebeln will, manchmal wenn ein Alpha einen Zero unterstützt oder andersherum, oder es eigentlich nicht mehr um die Hautfarbe geht, sondern um eine bessere Welt für die nächste Generation. Sehr deutlich wird das bei Callie Rose, ein Mischlingskind, welches zu beiden Welten gehört, aber eigentlich auch zu keiner dieser Welten.

Ein hervorragender zweiter Band, der nur durch den extremen Cliffhanger am Ende des Buches einen kleinen Wehmutstropfen bei mir hinterließ.

Asche und Glut  (Bd. 2,  Noughts and Crosses)
Autorin: Mallorie Blackman
Bastei Lübbe (Boje) Verlag, 2009, 1. Auflage
496 Seiten
Gebundenes Buch (Amazon.de)

Die 131/2 Leben des Käpt’n Blaubär, Bd. 1

Die 131/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Walter Moers 3_Sterne

Mit 131/2 Leben des Käpt’n Blaubär erfindet Walter Moers die komplexe phantasiereiche Welt Zamoniens. Die Geschichte erschien 2002 im Goldmann Verlag.

Käpt’n Blaubär, ein Seebär mit blauem Fell, ein Blaubär, der auch auch Blaubär genannt wird, erzählt uns die abenteuerlichen Geschichten seiner Leben.

Während Blaubär uns seine 131/2 Leben erzählt, lernen wir die Welt Zamoniens und ihre Wesen näher kennen und mit dem integrierten Lexikon von Professor Nachtigaller im Gehirn unseres Blaubären haben wir auch Zugang zu dem aktuellen Wissensstand Zamoniens.

1. Mein Leben als Zwergpirat

2. Mein Leben bei den Klaubautergeistern

3.Mein Leben auf der Flucht

4. Mein Leben auf der Feinschmeckerinsel

5. Mein Leben als Navigator

6. Mein Leben in den Finsterbergen

7. Mein Leben im großen Wald

8. Mein Leben im Dimensionsloch

9. Mein Leben in der süßen Wüste

10. Mein Leben in der Tornadostadt

11. Mein Leben im großen Kopf

12. Mein Leben in Atlantis

13. Mein Leben auf der Moloch

131/2 Mein halbes Leben in Ruhe

So begab ich mich auf eine Reise in eine andere Welt, nämlich nach Zamonien. Ich lauschte den Erzählungen des Käpt’n Blaubär, der mir die Abenteuer seiner dreizehneinhalb Leben erzählte und mir dabei das Wissen aus dem Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller näher brachte. So erfuhr ich eine Menge über Zwergpiraten, Klabautergeister, Tratschwellen, der Gourmetica Insularis, den Pterodaktylus Salvatus, auch Rettungssaurier genannt, den Finsterbergen, den Bullogs, Wolpertinger, Berghutzen, Waldspinnenhexen, Gimpel – dem Volk in der süßen Wüste, dem ewigen Tornado, Atlantis und seine Bewohner, der Moloch, den Malstrom, dem Zamonin und so vieles mehr. „Wissen ist Nacht.“

Gerne wäre ich Käpt’n Blaubär überall hin gefolgt – sein Erzählstil bzw. der Schreibstil des Autors ist im Großen und Ganzen angenehm, jedoch störten die Überlängen, ständigen Lexikoneinträge und Aufzählungen (Beispiel im vorherigen Absatz) meinen Lesefluss. So entstand ein Auf und Ab des Lesevergnügens. Mal eins war ich ganz gefesselt von den merkwürdigen Geschöpfen und wie Blaubär aus der Todesgefahr oder aus wirklich aussichtslosen Situation herauskam oder auch nicht und ein andern Mal hätte ich die Geschichte am liebsten  abgebrochen, nämlich immer dann, wenn es zu, in meinen Augen, unnötigen und ewiglangen Aufzählungen kam. Es wurden teilweise zu viele Beschreibungen von neuen Geschöpfen erzählt ohne dass diese in eine Handlung eingearbeitet waren. Ein großes Plus waren die Illustrationen, die mir sehr geholfen haben, die vielen Beschreibungen zu visualisieren.

Im Großen und Ganzen haben mich die Ideen und die überbordende Fantasie auf eine merkwürdige Art und Weise begeistern können und Käpt’n Blaubär ist auch irgendwie ein sehr sympathischer Kerl mit dem man durchaus mal ein paar Stunden verbringen möchte. Eine Geschichte, die an Fantasie und Kreativität kaum zu überbieten ist, aber auf die man sich auch einlassen muss.

Die 131/2 Leben des Käpt’n Blaubär (Bd. 1,  Zamonien)
Walter Moers
Goldmann Verlag, 2002, 1. Auflage
704 Seiten
Taschenbuch (Amazon.de)

Der Kruzifix-Killer

Der Kruzifix-Killer, Chris Carter 3_Sterne

Der Kruzific-Killer ist der erste Band der Hunter und Garcia Reihe von Chris Carter. Ich habe die Taschenbuchausgabe von 2009, erschienen im ullstein Verlag gelesen.

Wir lernen Robert Hunter, einen überdurchschnittlich intelligenten Detective des Morddezernat I für besonders schwere Fälle kennen. Ihm wird ein neuer Partner, Carlos Garcia, zugeteilt. Beide versuchen die neuen abscheulichen Morde, die die Handschrift des Kruzifix-Killers tragen, zu lösen. Hunter kämpft dabei auch mit der Vergangenheit, denn die vorherigen Kruzifix-Morde haben ihre Spuren bei ihm hinterlassen.

Der Kruzifix-Killer ist ein klassischer Thriller, bei der wir unseren Hauptprotagonisten, Detective Hunter, bei der Lösung von grausigen Kriminalfällen über die Schulter schauen und gleichzeitig auch die Konflikte, Probleme, die Vergangenheit und Sehnsüchte unseres Protagonisten erfahren.

Die Geschichte ist leicht verständlich geschrieben ohne auf viel Hintergrundwissen, zum Beispiel der Forensik, einzugehen.

Teils empfand ich die Charaktere stereotypisch, als wenn sie aus 80iger Jahre Hollywoodfilmen stammten, z.B. D-King und seine Gang.

Auch Hunter war für mich kaum greifbar, überdurchschnittlich intelligent und unsportlich in der Jugend und jetzt plötzlich mit 39 Jahren, gut gebaut, sportlich trainiert, aber mit Bauch. Wie ist das passiert? Die Wandlung von einer Leserate zu einem lässig coolen Detective konnte ich kaum nachvollziehen.

Was ich auch befremdlich fand, war, dass die Detectives feststellten, dass man ja jetzt auch im Internet bestellen kann und sie nicht wie früher die Läden in der Stadt abklappern können. Das war irgendwie altmodisch und wirkte für ein Morddezernat für die besonders schweren Fälle nahezu inkompetent. Überhaupt habe ich mich gefragt, an was die Detectives die ganze Zeit arbeiteten. Warum die vielen Überstunden? Nur aus Besessenheit, den Mörder zu ergreifen?

Die Geschichte war gut lesbar, hatte aber meiner Meinung nach Schwächen in der Charakterentwicklung.

Der Kruzifix-Killer  (Bd. 1,  Hunter und Garcia)
Chris Carter
ullstein Verlag, 2009, 21. Auflage
480 Seiten
Taschenbuch (Amazon.de)

Werbeanzeigen

Veröffentlicht von

querlesen

Langsam- und Genussleserin

Ein Gedanke zu “Lesemonat September 2018”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s