[Rezension] Die Geschichte der getrennten Wege, Bd. 3

Die neapolitanische Saga, Bd. 3 Elena Ferrante

Die Geschichte der getrennten Wege ist der 3. Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante. Ich las die Hardcover-Ausgabe in der 3. Auflage des Suhrkamp Verlages, welche 2017 erschienen ist.

Im 3. Band befinden wir uns in den 70iger Jahren Italiens und unsere Protagonisten, Lila und Lenù (Elena), sind in ihren 20igern. Die Wege der zwei Freundinnen trennen sich, Lila (Lina) bleibt in Neapel und Lenú zieht es hinaus nach Norditalien.

Durch die Augen unserer Protagonisten sehen wir das Italien zu jener Zeit: die Gewalt in den Arbeitervierteln, die politischen Spannungen, die unterschiedlichen sozialen Schichten, die Arbeitswelt und die Korruption, die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, aber auch den Einsatz der Menschen für eine gerechtere Welt. Die Realität der Erwachsenenwelt trifft auf die Träume und Wünsche der Frauen und beide gehen ihren Weg, steinig und ungewiss, vorherbestimmt, ausbrechend, erfolgreich, erfolglos, am Abgrund stehend, triumphierend, immer weiter.

Der dritte Band hatte überraschend viele politische und zeitgenössisch geprägte Inhalte, wie Faschismus und Kommunismus oder das Aufkommen der Computerwissenschaften. Es wird diskutiert über die Welt im Kleinen wie im Großen und es wird gehandelt. Gleichzeitig drängt sich der Alltag der Erwachsenwelt in das junge Leben der Protagonisten.

„(…) In den Märchen macht man, was man will,
und in der Wirklichkeit macht man, was man muss.“ (S. 440)

Die Geschichte wechselt zwischen anspruchsvollen, intellektuellen Gedanken Lenùs – hier findet man lange Sätze, die mehrere Zeilen beanspruchen können, und der unkomplizierteren Erzählweise der Handlung, wobei ich dankbar für die Unterbrechung der intellektuellen Einschübe war, wie interessant sie auch waren.

Begeistern konnte mich der Roman vor allem, wie auch schon im ersten und zweiten Band, durch die ehrliche Sprache der Ich-Erzählerin Lenù. Sie vertraut uns ihre Gedanken an, ob es nun um Bildung, Arbeit, Beziehungen, Sex, Ehe, Kinder, Eifersucht, Neid, Erfolg, Versagen oder Ängste geht, ehrlich und direkt teilt sie dem Leser ihre Reflexionen mit. Und ich hörte ihr gerne zu, stimmte ihr zu, lehnte ab oder ließ mich in der Strömung ihrer Gedanken hineinziehen.

Auch die teils undurchdringbare und widersprüchlich Beziehung zwischen den zwei Frauen, die aus der Sicht Lenùs sehr eindringlich und spannend erzählt wird, übte auf mich einen faszinierenden Reiz aus.

4 von 5 Sterne

Fazit

Die Geschichte der getrennten Wege ist ein Roman über zwei Frauen, die sich verwirklichen wollen, in einer Zeit, in der das Neue auf das Alte trifft, in der Umbrüche an die Oberfläche brechen und radikale Meinungen ausgelebt werden. Ein bemerkenswerter Roman über das Italien der 70iger, über Frauen und Männer, die ihren Platz suchen in einer Welt, die von sozialen Konventionen geprägt ist, die durchbrochen werden wollen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

Die Geschichte der getrennten Wege (Bd. 3, Die neapolitanische Saga)
Autorin: Elena Ferrante
Suhrkamp Verlag, 2017, 3. Auflage
540 Seiten
Hardcover (Amazon.de)

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Langsam- und Genussleserin

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