Der Schwimmer, Zsuzsa Bánk

[Rezension] Der Schwimmer

Der Schwimmer ist der Debütroman von Zsuzsa Bánk und wurde 2002 von S. Fischer herausgegeben. Ich las die 16. Auflage, erschienen bei Fischer Taschenbuch 2016.

Der Schwimmer erzählt die Geschichte zweier Geschwister – Kata und Isti – und ihre Kindheit in Ungarn in den 50er/60iger Jahren. Die Geschichte beginnt damit, dass die Mutter die Familie verlässt und in den Westen flüchtet, woraufhin der Vater Kálmán Haus und Hof verkauft und mit den Kindern durch Ungarn zu verschiedenen Bekannten reist um hier und da einen oder zwei Sommer oder Winter zu verbringen.

Die Geschichte wird aus Katas Sicht erzählt, die große Schwester von Isti, wobei Kata wie eine stumme Beobachterin, dem Leser mitteilt, was sie sieht und vernimmt.

Der Schreibstil der Autorin ist recht eigenwillig. Die Absätze werden wie Wellen monoton in immer wiederkehrenden Rhythmus an den Strand gespült. In kurzen, immer wiederkehrenden fast gleich langen Absätzen, wird das Leben von Isti und den Bekannten erzählt. Letztlich wie seichtes dahin plätscherndes Wasser.

So ist es auch recht schwierig der Geschichte ein wenig Spannung einzuhauchen, obwohl es durchaus hätte spannende Passagen geben können. Aber diese werden, kaum zeigen sie sich, auch sofort wieder durch Nichtigkeiten abgelöst.

So rückt die Handlung der Geschichte in den Hintergrund und es tritt vielmehr eine gewisse Stimmung, eine Atmosphäre in den Vordergrund. Das ist es dann auch, was die Geschichte vermittelt, eine Atmosphäre, in der zwei Kinder, verlassen von der Mutter und zurückgelassen mit einem melancholischen Vater, aufwachsen.

Die Autorin macht es einem nicht leicht in die Geschichte hineinzufinden. Die monotone Atmosphäre der Geschichte erfährt durch den Schreibstil noch einmal eine Verstärkung. Und ja, die Atmosphäre kam bei mir an. Aber ich hätte mir auch so viel mehr gewünscht. Wenn die Geschichte rückblickend erzählt wird, warum wird der Leser dann im Ungewissen gelassen? Es wäre schön gewesen, wenn die geschichtlichen Aspekte einfach mal (von den Erwachsenen) ausgesprochen worden wären. So tappt ein Nicht-Ungare ständig im Dunkeln was die Hintergründe betrifft. Gut, jetzt mag man sagen, das ist für die Geschichte irrelevant. Gut, dann hätte man sich aber auch die wirren und nebligen Andeutungen sparen können, die dem Buch letztlich Spannungsmomente gaben, aber nie aufgelöst wurden. Die Fragen die sich der Leser anfänglich stellt, nämlich „Kommt die Mutter wieder?“ „Warum ist die Mutter gegangen?“ werden nur unzureichend beantwortet.

Fazit

Das Buch hat mir während des Lesens kein Vergnügen bereitet und auch am Ende wusste ich nicht recht, was die Geschichte mir eigentlich mitteilen wollte, außer Monotonie, Melancholie und Träumereien. Das Land Ungarn wird nur durch erwähnte Städtenamen präsentiert. Schade.

3sterne
(3 von 5 Sterne)

Der Schwimmer
Autorin: Zsuzsa Bánk
FISCHER Taschenbuch Verlag, 2004, 21. Auflage
288 Seiten
Taschenbuch (Amazon.de)

Veröffentlicht von

querlesen

Langsam- und Genussleserin

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