Der Distelfink, Donna Tartt

Der Distelfink

2014 bekam Donna Tartt mit ihrem Roman Der Distelfink den Pulitzer-Preis und im Januar 2018 begannen die Dreharbeiten zum Film. Hmm, was also ist dran an diesem Roman? So wagte ich mich ran an den Wälzer von über 1000 Seiten. Ich las die Taschenbuchausgabe von 2015 in der Übersetzung von Rainer Schmidt aus dem Goldmann Verlag.

Inhalt

An dem Tag als der 13-jährige Theo Decker mit seiner Mutter das New Yorker Metropolitan Museum besuchte und eine Explosion das Haus erschüttert, beginnt für Theo ein anderes Leben. Es verschlägt ihn unter anderem zu der wohlhabenden Familie Barbour, in ein Möbel-Antiquariat und auch nach Las Vegas. In dieser Zeit lässt ein Gedanke Theo nicht los, denn an jenem verhängnisvollen Tag, entwendete er ein kostbares Gemälde und trug es fortan mit sich mit. In der Kunstwelt gilt es seither  als verschollen. Das Gemälde wird zu Theos kostbarstem Schatz und verändert sein Leben.

Eine Geschichte über ein Gemälde? Ist das nicht langweilig?

Der Distelfink, Fabritius

Nein, ganz und gar nicht, ist meine Antwort.

Die Geschichte wird vor allem durch die Charaktere getragen. Und diese sind allesamt eingehend beschrieben und keine 0-8-15 Figuren. Alle sind sehr eigen mit vielen individuellen Besonderheiten. Die Autorin nimmt sich den Raum und die Zeit (das Buch hat 1024 Seiten), die Charaktere dem Leser durch Dialoge und charakterisierende Ereignisse näher zu bringen.

Besonders gefallen haben mir die Szenen der beiden Jungen – Theo und Boris – in Las Vegas, ihr Kampf mit dem Erwachsenenwerden, aber auch mit dem Auf-sich-alleine-gestellt -sein, sowie die Entwicklung einer tiefen Freundschaft um Trost zu erhalten und dies alles im Sumpf von Las Vegas, zwischen Schein und Sein, Glück und Unglück, Sucht, Drogen und Hoffnung.

Trotz der sehr langen Sätze, hat mir der Schreibstil der Autorin sehr gefallen. Wie ein leichter, aber unaufhörlicher Regen strömen die Gedanken des Protagonisten und hallen im Ohr des Lesers nach.

Am Ende des Buches driftet die Geschichte auch in philosophische Gedanken des Protagonisten hinein. Theo versucht seine Gedanken zu ordnen, er stellt sich Fragen: Wofür lohnt es sich zu leben? Wofür lohnt es sich zu sterben? Können wir glücklich sein? Gibt es ein Schicksal oder ist alles Zufall? Was ist der Sinn des Lebens?

Die Geschichte ist gänzlich kaum zu erfassen— ein Buch zum Spüren, zum Fühlen was das Verborgene zwischen den Zeilen ist, ohne dabei in intellektuelle Phrasen abzudriften. Für mich ein absolutes Lesehighlight.

5 von 5 Sterne
(5 von 5 Sterne)

Fazit

Eine spannend erzählte Geschichte mit teils tiefgründigen Gedanken über das Leben und das Schicksal einzelner Figuren.

Der Distelfink
Autorin: Donna Tartt
Goldmann Verlag, 2015
1024 Seiten
Taschenbuch (Amazon.de)

Veröffentlicht von

querlesen

Langsam- und Genussleserin

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