Lesemonat Juni 2018

Im Juni hörte ich wieder eine Geschichte über  Ginny und Alice, habe mit Peter und Amy die Endschlacht in New York überlebt, war mit Elena im Rione Neapels der 50iger unterwegs, habe mit David Hunter einen Mörder entlarvt und bin mit Attilius im Asche- und Steinhagelregen in Pompeji gewatet.

Pretty Deadly: The Bear (Comic, Vol. 2)

Pretty Deadly, Vol. 2 5_Sterne

The Bear ist der zweite Band von Kelly Sue DeConnick’s Reihe Pretty Deadly, erschienen 2016 im Image Verlag.

Im zweiten Band treffen wir auf altbekannte Figuren des ersten Bandes, wie Bunny und Butterfly, Ginny und Alice, Fox, Johny Coyote und Molly und Sarah und ihre Kinder.

Sarah Field ist dem Tode nahe – ihre Zeit ist gekommen. Ihre Tochter möchte, dass, bevor Fox sie holen kommt, noch ihren Sohn Cyris ein letztes Mal sehen kann. Cyris befindet sich in einem Graben in Frankreich, in den Fängen des Krieges, personifiziert als „Reaper of War“.

Ich mochte den zweiten Band noch mehr als den ersten Band. Ich wurde sofort wieder in die Welt der Reaper (Tod, Sensenmann) hineingezogen.

Auch fand ich die Geschichten in der Geschichte und deren Bedeutung für die Gesamtgeschichte wunderschön und tiefgründig. Und so wie es Geschichten und Nebenschauplätze gibt, verbergen auch die Zeichnungen mehrere Zeichnungen. Es lohnt sich ein Verweilen und genaueres Hinsehen. Die unterschiedlichen Settings (Geschichten und Orte) sind mit unterschiedlichen Farben gestaltet, was immer gleich eine gewisse Atmosphäre geschaffen hat. Auch fand ich die Zeichnungen noch klarer und strukturierter als im ersten Band.

Die Symbolik, die verschiedenen Reaper, die Idee des Todes – alles war wunderschön, teils geradezu poetisch. Trotz der blutigen, grausamen und tragischen Geschehnisse hat man immer das Gefühl der Hoffnung.

Pretty Deadly: The Bear (Bilder)

Fazit: Tiefgründige, poetische und komplexe Geschichte mit einer starken Symbolkraft und Mystik über Tod und Leben, welche wunderschön illustriert ist.

Pretty Deadly: The Bear (Vol. 2)
Autor: Kelly Sue DeConnick Künstler: Emma Rios und Jordie Bellaire
Image Comics, 2016, 1. Auflage
152 Seiten (mit Bonusmaterial)
Kindle-Version (Amazon.de, englisch)

Die Spiegelstadt (Bd. 3)

Die Spiegelstadt (Bd. 3, Passage-Trilogie) 4_Sterne

Im dritten Band „Die Spiegelstand“, der 2016 im Goldmann Verlag erschien, springen wir in die Zukunft unserer Hauptprotagonisten. Peter ist bereits 50 Jahre alt und Präsident von Kerrville. Seit Jahren wurden keine Virals mehr gesichtet und die Tore sind weit geöffnet. Gleichzeitig erfahren wir den Ursprung der Geschichte, nämlich die Geschichte von Zero, Timothy Fanning.

Trotz einiger langatmiger Abschnitte nach zwei Drittel des Buches, fand ich, ist dem dritten Band ein guter Abschluss der Reihe gelungen. Besonders gefallen haben mir die tiefgründigen Einblicke oder Erklärungen der willenlosen Seelen, wenn sie ihre Spiegelbilder sehen. Ein schönes Bild, zu zeigen was es bedeutet Mensch zu sein, ja Individuum zu sein. Man sieht sich und erinnert sich, an vergangene Tage, schöne und traurige. Und auch sehr faszinierend fand ich das Ende, bei dem gezeigt wird, wie wichtig es ist, Geschichte (wieder) zu entdecken. Geschichte oder besser die Vergangenheit bekommt hier für den Leser eine andere, ja geradezu emotionale Bedeutung, da wir doch mit den am Ende historisch gewordenen Personen alles hautnah mit erlebt haben und das Gefühl bleibt, wir waren dabei, wir kennen die Wahrheit. So bleibt Geschichte lebendig und wir verstehen nun wie sie die Zukunft „bildet“.

Die Spiegelstadt (Bd. 3, Die Passage-Trilogie)
Autor: Justin Cronin
Goldmann Verlag, 2016, 1. Auflage
993 Seiten
Kindle-Version (Amazon.de)

Meine geniale Freundin (Bd. 1)

Meine geniale Freundin, Elena Ferrante 5_Sterne

Meine geniale Freundin ist der Auftakt der vierteiligen neapolitanischen Saga von Elena Ferrante.

Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden Lilas. Daraufhin erinnert sich Elena, ihre beste Freundin, an die vergangenen Zeiten, die bis zu diesem Verschwinden führen.

Im ersten Band blickt Elena, unsere Ich-Erzählerin, auf ihre Kindheit und Jugendzeit in einem italienischen Viertel, in welchem jeder jeden kennt und Geheimnisse und Kämpfe unter den Bewohnern zu brodeln scheinen und sowohl verbal als auch körperlich ausgetragen werden.

Der Roman ist in drei Teile untergliedert:

  • Prolog – Die Spuren verwischen
  • Kindheit – Die Geschichte von Don Achille
  • Frühe Jugend – Die Geschichte von den Schuhen

Wir erfahren die Wünsche und Träume, sowie die Wirklichkeit zweier doch recht unterschiedlicher Mädchen, die zu jungen Frauen von 16 Jahren heranwachsen und deren Lebenswege sich bereits in der Kindheit durch verschiedene Schullaufbahnen trennen. Dennoch hegen sie eine tiefe Verbundenheit zueinander, sei es auch manchmal nur durch Wettbewerb und Ansporn.

Die Geschichte ist schön geschrieben. Ich fühlte mich in die Zeit und an den Ort versetzt, spürte die Hitze und Leidenschaft des Viertels, aber auch die Grobheit und Gefühlskälte der Bewohner, die Eigensinnigkeiten jedes Einzelnen.

Und obwohl eine Menge von Personen in diesem Roman ein Rolle spielen, war es für mich mühelos dem zu folgen und die Cliquen der Jugendlichen zu unterscheiden, die Rollen zu unterscheiden.

Klar, direkt und ehrlich erzählt Elena uns ihre Sicht der Dinge und teilt uns auch ihre Gedanken, die nicht frei von Neid, Eifersucht und Konkurrenzdenken sind, mit. Gleichzeitig kämpft sie mit ihren eigenen Zweifeln, der Pubertät und den Gefühlen, dass eigentlich Lila das hätte haben sollen, was sie durfte, nämlich zur Schule gehen und lernen. Oder ist der Weg den Lila einschlägt der beneidenswertere?

Ich war schnell von der Geschichte gefesselt, irgendein Drama geschieht in diesem Viertel immer. Es ist aufregend zu lesen, warum sich wer wie verhält und wie es wohl enden wird. Freue mich schon auf den nächsten Teil.

Meine geniale Freundin (Bd. 1, Neapolitanische Saga)
Autor: Elena Ferrante
Suhrkamp, 2017, 12. Auflage
423 Seiten
Harcover (Amazon.de)

Die Chemie des Todes (Bd. 1)

Die Chemie des todes, Simon Beckett 4_Sterne

Die Chemie des Todes von Simon Beckett ist der erste Band der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter.

Wir folgen David Hunter, der nach einer persönlichen Tragödie von London in das Dorf Manham eine Stelle als Assistent bei einem Landarzt, der durch einen Autounfall an den Rollstuhl gefesselt ist, annimmt. Nach drei Jahren ländlicher Idylle und den Versuchen sich in das Dorfleben einzufügen, wird eine verunstaltete Leiche aufgefunden. David Hunter wird in diesen Fall reingezogen, da er eine Konifere auf dem Gebiet der forensischen Anthropologe ist. Er beginnt zunächst wiederwillig der Polizei bei der Untersuchung der Leiche behilflich zu sein. Es bleibt jedoch nicht bei diesem einen Mord. Und auch David wird mehr und mehr in den Fall reingezogen. Wenn dann schnell klar wird, dass der Mörder jemand aus dem Dorf sein muss, wird plötzlich jeder zum Verdächtigen.

Die Geschichte beginnt langsam, nimmt dann aber schnell Fahrt auf. Gegen Mitte der Geschichte wollte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Wer ist der Mörder? Wer treibt hier sein Unwesen und warum? Und auch wenn man so ziemlich jeden mal in Verdacht hat, wird dies doch immer wieder zerstreut.

Sehr schön beschrieben waren die Charaktere des Dorfes und auch die Konflikte zwischen Alteingesessene und Neuhinzugezogenen. Simon Becket hat das Leben in einem Dorf, wo ja eigentlich jeder jeden kennt, aber eben auch jeder seine Geheimnisse bewahrt und vor anderen schützt, eingefangen. Auch die Arbeit der Polizei und das forensische Wissen wird hier und da eingeworfen ohne allzu überbordend zu wirken.

Ein schöner Lesegenuß!

Die Chemie des todes  (Bd. 1, David Hunter Reihe)
Autor: Simon Beckett
Rowohlt, 2007, 52. Auflage
432 Seiten
Taschenbuch (Amazon.de)

Pompeji

Pompeji, Robert Harris 4_Sterne

Pompeji ist ein Roman von Robert Harris, der 2003 im Heyne Verlag erschien.

Attilius, der neue Wasserbaumeister, übernimmt die Verantwortung für den Aqua Augusta, einem Aquädukt der Städte wie Misenum, Neapolis, Nola, Pompeji bis nach Abellinim mit Wasser versorgte. Dann geschieht das, was für einen Wasserbaumeister der Supergau ist. Acht Städte laufen trocken. Im Aqua Augusta fließt kein Wasser mehr.   Neben all dem technischen Fortschritt und den politischen Intrigen und menschlichen Tragödien im blühenden römischen Reich beginnt der Vesuv zum Leben zu erwachen. Wie schreiben das Jahr 79 nach Christus und eine historisch belegte Naturkatastrophe wird Pompeji für 1000 Jahre verschwinden lassen. Mittendrin versucht Attilius hinter das Geheimnis des Verschwindens seines Vorgänger Exomnius zu kommen und den Aqua Augusta wieder mit fließendes Wasser zu füllen.

Trotz der für mich anfänglichen Schwierigkeiten mit den römischen Namen und Bezeichnungen, versteht Robert Harris es, eine fiktionale Geschichte in historisch belegte Ereignisse einzuweben. Dabei bedient er sich auch historischen Quellen, wie zum Beispiel die Beschreibungen des Ausbruchs von Plinius. Wir bekommen einen sehr guten Eindruck davon wie das römische Leben einem Jahrhundert nach Christus aussah, was die Menschen dachten, was sie arbeiteten, ihre politischen Machtkämpfe, ihr Glaube, ihre sozialen Hierarchien, welche Rolle die Frauen spielten und auch was Pompeji für eine Stadt war. Und dies alles erfahren wir während wir auch noch das Geheimnis des verschwundenen Aquarius lüften, welcher ahnte das der Vesuv bald ausbrechen könnte.

Sehr beklemmend fand ich die Prophezeiung von Sibylle, die Ampliatus verwendet, um die Aristokraten von der Richtigkeit seines Tuns zu überzeugen, nämlich dem Aquarius zunächst zu helfen:

Sie hat eine Stadt [Pompeji] gesehen, die in der ganzen Welt berühmt ist. Unsere Tempel, unsere Amphitheater, unsere Straßen – überall wimmelte es von Menschen jeder Sprache. (…) Was wir hier gebaut haben, wird fortdauern – noch lange nachdem die Caesaren zu Staub zerfallen sind und das Imperium untergegangen ist.“

Erfüllt sich doch diese Prophezeiung in einem Maße, welches nur wir, der Leser und die Leserin richtig zu deuten mögen, aber Ampliatus selbst nicht. Heute ist Pompeji mit seinem tragischen Schicksal ein Anziehungspunkt vieler Touristen unterschiedlichster Sprachen und Kulturen.

Das Ende der Geschichte hat mir auch sehr gut gefallen – lässt es mir doch die Möglichkeit zu entscheiden, wie „meine“ Geschichte enden soll.

Pompeji
Autor: Robert Harris
Heyne, 2003
375 Seiten
Hardcover (Amazon.de, gebraucht)

 

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